„Killerspiele“
 
 
Alte Männer mit Macht. Wann lernt die Welt endlich, dass das nicht gut geht?
 
Ein Jugendlicher rennt nach jahrelanger Ankündigung in seine ehemalige Schule, bretzelt einige Leute um und schafft im Endeffekt doch nur einen Frag: sich selbst.
 
Er spielte gerne Counterstrike.
 
Na, wenn das nicht eindeutig ist. Da muss ja ein Zusammenhang existieren. Also: „Killerspiele“ verbieten.
Denn, klar, er als 18jähriger wäre nie und nimmer an ein weltweit populäres Spiel wie Counterstrike gekommen, hätte es ein Verbot gegeben. An Gewehre und Sprengstoff ja, aber an ein Computerspiel niemals. Und ohne dieses Spiel wäre er nie auf die Idee gekommen, sich selbst und andere umzubringen.
 
Menschen fürchten das, was sie nicht kennen. Im Falle unserer Altherren-Politiker bedeutet das: Computerspiele, Internet und logisches Denken.
Warum müssen denn immer gleich die Spiele verboten werden? Warum nicht Schokolade, Friseurbesuche oder ein fester Wohnsitz? Auch diese Sachen kann man sicherlich in der Vergangenheit solcher Täter finden, aber nein, es müssen ja die „Killerspiele“ sein.
Dumm nur, dass Millionen und Abermillionen andere Leute solche Spiele spielen, ohne auszuticken. Man sollte vielleicht mal die Quoten vergleichen zwischen Counterstrike-Spielern, die Amok laufen, und Autofahrern, die andere umbringen, weil sie rücksichtslos unterwegs sind. Alkohol, irgendjemand?
 
„Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!“ schrieb der 18jährige in seinem Abschiedsbrief. Warum verbietet man nicht die Bildzeitung? Oder alle anderen Zeitungen und Fernsehmagazine, die über sowas berichten?
Das Vorbild für die Tat war eben nicht Counterstrike, sondern das Attentat von Columbine. Und da er damals wohl kaum vor Ort war, fällt die Schuld der weltweiten Berichterstattung zu, die solche Kaputten zu Berühmtheiten macht und ihre Artgenossen somit glauben lässt, eine derartige Tat werde ihnen ein Forum geben, was sie mit Hilfe eines normalen Lebensweges nicht würden erreichen können.
Von einer angestrebten Jagd auf Terroristen oder Anti-Terror-Einheiten habe ich in dem Brief jedenfalls nichts gelesen.
 
Wie wär´s mit... öhm... einem Verbot unqualifizierter Erziehung? Anstatt sein Kind in den Schützenverein mitzunehmen, sollte man ihm vielleicht beibringen, dass Waffengewalt keine adäquate Lösung für pubertäre Probleme darstellt.
Wie wär´s mit der Einführung von Schuluniformen? Der Zwang, sich soziale Anerkennung mit teuren Klamotten und ähnlichem Scheiß zu erkaufen, war einer der tragenden Punkte im Abschiedsbrief des 18jährigen.
Oder wie wär´s mit der Einsicht, dass Menschen unterschiedlich sind? Dass nicht jeder auf alles gleich reagiert und es gegen derartige Katastrophen keine Allheilmittel gibt?
 
Aber nein, lieber erstmal den guten alten Faschismus rauskramen, der hat uns schon so oft aus dem Schlamassel befreit.
Donnerstag, 23. November 2006
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