DBDS
 
 
"You gotta have faith, bada bada", sprach George Michael.
"No, George, you gotta have talent, dude" antwortete Bill Hicks.
 
Die Ellbogengesellschaft, die dem anhaltenden Elend der Langsamen, Sensiblen oder auch der Dummen lediglich ein mageres Überlegenheitsgefühl der selbsternannten Sieger des jeweiligen Augenblicks gegenüberstellt, trägt die seltsamsten Blüten. Multimediale Prediger, permanent überforderte Politik und Justiz, Motivationsgurus, Zeichen einer Welt, die ihrer selbst nicht mehr Herr wird.
 
Vor allem die Motivationsgurus sind interessant, denn für einen solchen müssen immer weniger Leute wirklich Eintrittsgeld bezahlen, da sie ihn kostenos zu Hause haben: Immer mehr Mütter, für die das Lesen der wöchentlich wechselnden Diätrevolutionen der einschlägigen Frauenzeitschriften eine intellektuelle Herausforderung darstellt, entnehmen eben diesen Schnierblättern leider auch zunehmend die Leitfäden für die Erziehung ihrer Nachkommen.
Und was lehren uns "Freundin" und Co? Du kannst alles schaffen, wenn Du nur an Dich glaubst. Das ist doch etwas, das man seinem Kind gerne erzählt.
In der Regel stimmt es nur leider nicht. Selbstbewusstsein ist eben nicht alles. Talent, Zielstrebigkeit, Fleiss und auch ein gewisses Mass an Ansehnlichkeit sind es, die einen Menschen auf die Bühne bringen, genau wie auch an die meisten anderen Plätze.
 
Die Eltern, die die Erziehung ihrer Kinder den Teletubbies überlassen, drücken sich eben auch darum, ihren Kindern die Wahrheit zu sagen und sie auf den Ernst des Lebens vorzubereiten, wo es keine guten Noten, keine Jobs und erst recht keine Millionenverträge gibt, nur weil man sie ganz doll gerne haben täte.
Für diese Eltern und ihre Rotzblagen, die entgegen jedem Menschenverstand in dem Unglauben aufwachsen, Stars werden zu können, tritt nun "Deutschland sucht den Superstar", in Vertretung der "American Idol"-Ableger dieser Welt, auf die pädagogische Notbremse.
 
Wenn sich der 17jährige Dennis, der vor lauter Tuckigkeit nicht mal mehr gerade gehen kann, oder die 16-jährige "Tschacklihn", die spricht, als hätte sie den Saft von ihrem letztnächtlichen Pimp immer noch nicht runtergeschluckt, zum Casting begeben, im sicheren Glauben, eigentlich nur noch den Vertrag unterzeichnen zu müssen, tritt die aberwitzige Situation ein, dass Dieter Bohlen und die beiden namenlosen Restbewerter die Stimme der Vernunft darstellen und diese wandelnden Verhütungs-Plädoyers wieder auf den Weg in Richtung bodenständige Arbeit schubsen - oder in den Selbstmord, was der Evolution ja auch nicht gerade im Wege stünde.
 
Was für eine seltsame, seltsame Welt.
Dienstag, 6. Februar 2007
Deutschland braucht den Superstar